Commodore 64: Die aufregende Geschichte des meistverkauften Heimcomputers der Welt

Der Commodore 64 (kurz: C64) ist mit ca. 17 Millionen verkauften Stück der meistverkaufte Heimcomputer der Welt. Er wurde 1982 auf den Markt gebracht und entwickelte sich zum populärsten Spiele- und Softwareentwicklungscomputer der 80er Jahre. Doch wer steht hinter dem C64? Aus welchen Vorgängermodellen entwickelte sich der Desktoprechner und welche technologische Bedeutung hatte er für die damalige Zeit?

Die Geschichte begann mit einem polnischen Juden namens Jack Tramiel. Während des 2. Weltkriegs überlebte er sechs Jahre in einem deutschen Konzentrationslager. Nach Ende des Krieges wanderte Tramiel nach Amerika aus und betätigte sich in der U.S. Army, wo er unter anderem auch damit begann, alte Schreibmaschinen zu reparieren. Im Jahr 1950 trat er aus der Armee aus und gründete sein erstes Unternehmen in New York.

Damals bekam Tramiel das Angebot, für eine kanadische Firma Schreibmaschinen zu produzieren. 1958 zog er nach Toronto und gründete ein weiteres Unternehmen, das er für die Produktion und den Vertrieb der damals sehr populären Addiermaschinen einsetzte. Damit legte er im Jahr 1962 den Grundstein für sein erfolgreichstes Unternehmen, Commodore Business Machines, Canada.

Nach einigen Tiefschlägen Mitte der 60er Jahre (ausgelöst durch die Anklage und Verurteilung von Tramiels Partner C. Morgan wegen zweifelhafter Geschäftspraktiken), gelang es dem Unternehmen, durch eine Investition des kanadischen Geschäftsmanns Irving Gould, zu überleben. Gleichzeitig wurde jedoch der Preis für Addiermaschinen durch billigere Varianten aus Japan so sehr gedrückt, dass es sich nicht mehr rentierte, den Markt zu bedienen.

Jack Tramiel beschließt damals, nach Japan zu reisen, und sich die dortigen Geschäftspraktiken anzusehen. Dadurch kommt er in Kontakt mit den damals in Japan sehr populären elektronischen Rechnern, für die er nach seiner Rückkehr sofort einen Produktionsauftrag erteilt.

Im Jahr 1969 produzierte und verkaufte Commodore also den ersten, amerikanischen Taschenrechner. Erneut wächst die Konkurrenz an diesem neuen Markt, und Firmen wie Texas Instruments und Sinclair drücken durch Massenproduktion den Preis. Um die Produktionskosten zu senken, kauft Commodore im Jahr 1976 einige, kleine Elektronikunternehmen, die eigentlich als Zulieferer tätig waren. Dieser Schritt ermöglicht Tramiel jedoch nicht nur eine bessere Position im Preiswettbewerb, sondern auch den Zugang zu einigen, neu entwickelten Technologien.

Schlussendlich gibt ein Techniker von Commodore der Firmenleitung den Ratschlag, anstatt der kleinen Taschenrechner größere Desktop-Computer mit erweiterten Funktionen zu produzieren, und die Geburtsstunde des Commodore PET (Personal Electronic Transactor) wurde eingeleitet.

Der Weg dorthin war jedoch teuer: zur Aneignung der Halbleitertechnologie musste erst einmal die Firma MOS Technologies für 800.000 US Dollar gekauft werden. Allerdings entpuppte sich das Geschäft als Erfolg, was auch daran lag, dass Commodore es der amerikanischen Mittelschicht zum ersten Mal ermöglichte, einen Bürocomputer zu besitzen. Jedoch wird das Gerät im Laufe der Zeit von dem populäreren Apple II überschattet und kann daher nicht die Marktführung übernehmen.

Dies ändert sich jedoch im Jahr 1980 mit der Einführung des VIC20, der in Deutschland unter dem Namen VC20 bekannt wurde. Dies war der erste Commodore-Computer, der Farben darstellen konnte. Im Gegensatz zum PET wird die Bildausgabe beim VC20 von einem Fernseher übernommen. Da der verwendete Prozessor recht günstig war, war dieser Heimcomputer für eine wirklich breite Masse erschwinglich. Die Leistung des VC20 reicht jedoch bald nicht mehr aus, die Wünsche der Käufer zu erfüllen. So erscheint schlussendlich im Jahr 1982 der Commodore 64.

Der C64 wird auf der Consumer Electronics Show als 8-Bit-Heimcomputer mit einem 64 KB Arbeitsspeicher vorgestellt. Damit wird Commodore zum führenden Anbieter und verkauft in den ersten zwei Jahren rund 4 Millionen Stück des C64. Das Gerät besteht aus einem braunen Tastaturgehäuse (ähnlich wie der VC20), was ihm auch den Spitznamen „Brotkasten“ oder „Nackenrolle“ einbrachte.

Als Prozessor wird der 6510 verwendet, der eine modifizierte Form des VC20-Prozessors darstellt und in Europa mit 985 KHz getaktet wird (US-Version: 1 MHz). Damit wird einer Generation von Jugendlichen das erste Mal der breite Zugang zu einem leistungsstarken Rechner ermöglicht. Der 64 KB starke Arbeitsspeicher ist fast bis zur Hälfte mit BASIC-Programmen belegt. Wie zu dieser Zeit üblich, wurden die meisten anderen Programme über so genannte Steckmodule (englisch: Cartridge) geladen.

Das besondere am Commodore ist, dass hier das erste Mal wirklich großen Wert auf das Spielerlebnis am Computer gelegt wurde. Der verwendete Video Interface Chip (VIC-II) des C64 stellt bis zu 320 x 200 Pixel in 16 Farben dar und unterstützt acht Sprites mit 24 x 21 Pixel, was für die gute Grafik von Computerspielen ein sehr wichtiges Detail war. Auch der Sound Interface Chip (SID) ist eine große Neuerung, da er zum Beispiel drei Audiokanäle mischen kann und über drei Oszillatoren verfügt.

Der stärkste Konkurrent des C64 war der in Amerika sehr populäre Atari 800 XL. Viele Spiele wurden gleichzeitig für beide Systeme produziert, jedoch wurde vor allem bei der Einführung der C64 von den meisten Käufern als sehr gut eingestuft. Auch war für den C64 mehr Software verfügbar, was ihn schlussendlich zur Marktführung verhalf. Er wurde elf Jahre lang produziert und ist wohl einer der berühmtesten Maschinen seiner Zeit.

Für Videospieler wurde das Gerät sehr populär. Verkaufsschlager und viele Arcade-Spiele wie Donkey Kong und Pac-Man kamen für den C64 heraus. Insgesamt wird die Zahl der kommerziellen Spiele für den Commodore 64 auf 17.000 geschätzt, wovon über 95 % mit einer Auflösung von 160 x 200 Pixel auf den Markt kamen. Diese hohe Anzahl schließt jedoch die von Spielern selbst programmierten Spiele noch gar nicht mit ein.

Da die Videospielindustrie nun eine sehr breite Plattform zur Verfügung hatte, wurden die Spiele mit der Zeit komplexer und grafisch anspruchsvoller. Die Grafik einiger Spiele erreichte sogar schon Amiga-Standard, wie zum Beispiel das Strategiespiel Defender of the Crown oder das Actionspiel Turrican II: The Final Fight. Aber nicht nur grafisch tat sich einiges, auch die Animationen und die Präsentation von Inhalten in Videospielen entwickelte sich schnell weiter. Gerade in dieser Zeit war die Videospielindustrie dynamischer denn je.

Der Commodore 64 hat unseren Umgang mit Heimcomputern und unsere Vorstellung von Videospielen drastisch verändert. Ihm sind viele Neuerungen der Branche zu verdanken. Nicht nur, dass der breiten Masse der Besitz einer, für damalige Verhältnisse leistungsstarken Rechenmaschine ermöglicht wurde, auch richtungsweisende Veränderungen hinsichtlich Grafik und Entwicklung eines Spiels wurden durch den C64 ins Rollen gebracht. Deshalb hegen und pflegen viele Sammler diese Retro-Konsole mit der Liebe und dem verdienten Respekt, den sich das Gerät über drei Jahrzehnte hinweg geholt hat.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*