- Die Magie der echten Lizenzen: Wenn der T-Rex im Rückspiegel auftaucht
- Ein Ritt durch die Kinogeschichte
- „Simon Says“ bei 150 km/h: Spielerischer Anspruch ohne den alten Frust
- Die Evolution des Scheiterns
- Mehr als nur Hauptfilm: Das Content-Paket und unser erstes Fazit
- Fazit der Redaktion: Ein Nostalgie-Garant im modernen Gewand
Erinnern Sie sich noch an den Moment, als ein einziges verpasstes Bremsmanöver eine vierminütige, perfekt choreografierte Fahrt ruinierte? Die Rede ist von Stuntman – jener PS2-Legende, die Spieler reihenweise in den Wahnsinn trieb. Nach fast zwei Jahrzehnten Funkstille bringt Saber Interactive die Kultreihe mit Stuntman: Hollywood zurück. Auf der diesjährigen Gamescom war die explosive Action erstmals anspielbar. Wir verraten Ihnen im ausführlichen Preview-Bericht, warum das Reboot der wohl zugänglichste und gleichzeitig spektakulärste Teil der Seriengeschichte werden könnte.
Es war das Jahr 2002, als Reflections Interactive ein Rennspiel erschuf, das eigentlich gar keines war. Stuntman verlangte keine Bestzeiten gegen die Konkurrenz, sondern pure Perfektion nach Drehbuch. Jeder Drift, jeder Sprung durch eine Plakatwand und jedes Ausweichmanöver im Gegenverkehr mussten auf die Millisekunde genau sitzen – ansonsten brüllte der Regisseur „Cut!“ und das Drama begann von vorn. Ein grandioses Konzept, das damals allerdings an seinem brutalen, fast schon unfairen Schwierigkeitsgrad krankte.
24 Jahre später wagt Saber Interactive in Kooperation mit Universal Products & Experiences den mutigen Schritt zurück ans Set. Auf der Gamescom 2026 durfte die Fachpresse nun erstmals selbst das Steuer übernehmen. Und die ersten Hands-on-Berichte zeigen: Stuntman: Hollywood ist kein billiger Nostalgie-Abklatsch, sondern eine Liebeserklärung an das Popcorn-Kino, die alte Tugenden mit modernem Komfort verbindet.
Die Magie der echten Lizenzen: Wenn der T-Rex im Rückspiegel auftaucht
Der größte Schwachpunkt der alten Stuntman-Teile war selten das Spielprinzip selbst, sondern die Kulisse. Damals mussten die Entwickler aus rechtlichen Gründen noch tief in die Trickkiste greifen und fiktive Parodien bekannter Filme erschaffen. Aus James Bond wurde „Live Twice, Die Twice“ und Nur noch 60 Sekunden mutierte zu „A Hard Day’s Light“. Charmant für die damalige Zeit, aber eben nur die halbe Miete. Stuntman: Hollywood bricht radikal mit dieser Tradition. Durch die enge Partnerschaft zwischen Saber Interactive und Universal Products & Experiences greift das Spiel tief in die Kiste der Popkultur. Auf der Gamescom-Demo durften die Tester bereits durch Kulissen rasen, die sofortige Gänsehaut garantierten.
Ein Ritt durch die Kinogeschichte
Die Anspiel-Version bot einen ersten Vorgeschmack auf die Vielfalt der Filmsets, die im fertigen Spiel auf die Spieler warten:
- Zurück in die Zukunft: Inmitten der ikonischen Kulisse von Hill Valley flieht man in einem originalgetreuen DeLorean vor Terroristen. Das Ziel des Takes? Den Wagen exakt im richtigen Moment auf die legendären 88 Meilen pro Stunde zu beschleunigen, um unter gleißenden Blitzen die Zeitreise-Sequenz auszulösen.
- Jurassic World: Ein absolutes Highlight der ersten Presseberichte. Auf dem Sattel eines Motorrads schlängelt man sich durch den dichten Dschungel der Isla Nublar. Während links und rechts die Kulissenteile bersten, heftet sich ein animierter T-Rex an die Fersen des Spielers – purer Stress, perfekt inszeniert.
- Miami Vice & Knight Rider: Auch Retro-Fans der 80er-Jahre kommen auf ihre Kosten. Die ersten Berichte schwärmen von den authentischen Fahrzeugen – vom eleganten Ferrari Testarossa, der durch neonbeleuchtete Kurven driftet, bis hin zum sprechenden Kult-Auto K.I.T.T., dessen Turboboost für spektakuläre Sprünge genutzt werden muss.
- Fast & Furious: Hier schaltet das Spiel erwartungsgemäß in den höchsten Action-Gang. Enge Straßenschluchten, gigantische Explosionen und das exakt getimte Unterfahren eines explodierenden Tanklasters fangen das Gefühl der modernen Action-Saga perfekt ein.
Saber Interactive verlässt sich jedoch nicht nur auf die visuelle Erkennbarkeit. Die Entwickler untermalen die Sets mit den lizenzierten Soundtracks und treibenden Musik-Remixen, was die filmische Atmosphäre laut der Fachpresse auf ein völlig neues Niveau hebt.
„Simon Says“ bei 150 km/h: Spielerischer Anspruch ohne den alten Frust
Wer die Originale gespielt hat, erinnert sich an das bleibende Gefühl der Ohnmacht. Ein winziger Fahrfehler im letzten Viertel des Sets bedeutete unweigerlich den Neustart. Das Gameplay von Stuntman: Hollywood bleibt diesem Kernprinzip treu, bricht das Korsett der Frustration jedoch spürbar auf. In ersten Anspielberichten wird das Spielprinzip treffend mit einem „High-Stakes, High-Speed 'Simon Says' mit Explosionen“ verglichen.
Das Prinzip ist so simpel wie packend: Über Funk ertönen die unbarmherzigen Anweisungen des Regisseurs, während auf dem Asphalt visuelle Markierungen und Trigger aufblinken. „Jetzt driften!“, „Unter dem Laster durchtauchen!“, „Nitro zünden!“ – als Spieler reagiert man in Bruchteilen von Sekunden auf die Choreografie des Skripts.
Die Evolution des Scheiterns
Die wichtigste Erkenntnis der Tester vor Ort: Saber Interactive hat den schmalen Grat zwischen motivierender Herausforderung und spielerischem Sadismus geglättet. Während man früher nach wenigen Fehlern sofort vom Set geworfen wurde, hinterlässt das Reboot in den ersten Vorschauen den Eindruck, die bislang zugänglichste Version der Reihe zu sein.
- Toleranz statt Totalausfall: Verpasst man eine Markierung um wenige Zentimeter oder löst eine Explosion einen Wimpernschlag zu spät aus, bricht das Spiel nicht mehr sofort ab. Der Take läuft weiter, allerdings leidet die finale Punktewertung und die Gunst des Regisseurs.
- Moderne Assistenzsysteme: Neue, subtile UI-Anzeigen signalisieren dem Fahrer nun die exakte Nähe zu Objekten. Das erleichtert das blinde Timing bei Haarscharf-Manövern ungemein.
- Die Jagd nach der Perfektion: Das bedeutet jedoch nicht, dass das Spiel anspruchslos ist. Wer am Ende des Levels die begehrte Gold-Wertung und den perfekten, lückenlosen Kinofilm-Zusammenschnitt in der Wiederholung sehen möchte, muss nach wie vor eine fehlerfreie Kette von Stunts aneinanderreihen.
Erste Stimmen aus der Fachpresse merken allerdings an, dass das System für hartgesottene Veteranen der PS2-Ära fast schon eine Nuance zu nachsichtig sein könnte. Ob die finale Version hier mit verschiedenen Härtegraden nachbessert, bleibt abzuwarten.
Mehr als nur Hauptfilm: Das Content-Paket und unser erstes Fazit
Saber Interactive belässt es für das finale Spiel jedoch nicht nur bei den großen Hollywood-Sets. Die ersten Berichte von der Messe bestätigen bereits, dass abseits der Hauptkarriere reichlich Abwechslung geboten wird.
Für Kurzweiligkeit sollen die sogenannten „B-Roll“-Episoden und kleineren Gelegenheitsjobs („Odd Jobs“) sorgen, bei denen Spieler mit veränderten Physik-Regeln oder besonders skurrilen Vehikeln konfrontiert werden. Wer sich hingegen völlig frei austoben möchte, darf sich auf eine dedizierte Stunt-Arena freuen. Hier lassen sich extreme Manöver ohne das Korsett eines Regisseurs ausführen – ein Feature, das vor allem für Highscore-Jäger und Clip-Produzenten auf Plattformen wie TikTok oder YouTube interessant werden dürfte.
Fazit der Redaktion: Ein Nostalgie-Garant im modernen Gewand
Stuntman: Hollywood könnte genau das Spiel werden, von dem Fans des Genres gar nicht mehr wussten, dass sie es vermissen. In einer Ära, in der Rennspiele oft zwischen bierernsten Simulationen und überladenen Open-World-Sammelorgien schwanken, fühlt sich das lineare, fokussierte Konzept des Reboots erfrischend unkompliziert an.
Die Integration echter, weltbekannter Lizenzen wie Jurassic World oder Zurück in die Zukunft hebt die filmische Atmosphäre auf ein Niveau, das die Originale damals schlicht nicht erreichen konnten. Gleichzeitig beweist Saber Interactive das richtige Gespür dafür, den berüchtigten Frustfaktor der Vergangenheit durch clevere Komfortfunktionen zu ersetzen, ohne den spielerischen Anspruch komplett zu opfern.
Das Spiel wird für die PlayStation 5 und den PC via Steam erscheinen. Auch wenn ein finales, exaktes Release-Datum derzeit noch aussteht, zeigt die spielbare Version aus Köln: Die Kameras laufen, die Action sitzt – wir können den Kinostart kaum erwarten.
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