- Ein älterer Cliff Booth in einem anderen Hollywood
- Tarantino schreibt und David Fincher führt Regie
- Erst IMAX, dann Netflix
- Cliff Booth bekommt endlich seine eigene Bühne
Brad Pitt kehrt als Cliff Booth zurück – aber Quentin Tarantino sitzt diesmal nicht auf dem Regiestuhl. Netflix hat den ersten großen Trailer zu „The Further Mis-Adventures of Cliff Booth“ veröffentlicht. Das Drehbuch stammt weiterhin von Tarantino, inszeniert wird die Fortsetzung von „Once Upon a Time in Hollywood“ jedoch von David Fincher. Der neue Film spielt 1977 und zeigt einen Cliff Booth, der längst nicht mehr nur als Stuntman arbeitet.
Sieben Jahre nach „Once Upon a Time in Hollywood“ bekommt eine der populärsten Figuren des Films ihre eigene Fortsetzung. Brad Pitt schlüpft erneut in die Rolle des Cliff Booth, für die er 2020 den Oscar als bester Nebendarsteller gewann. Netflix hat nun den offiziellen Trailer zu „The Further Mis-Adventures of Cliff Booth“ veröffentlicht und liefert damit erstmals einen ausführlicheren Eindruck davon, was aus dem ehemaligen Stuntdouble von Rick Dalton geworden ist. Die vielleicht größte Überraschung des Projekts war allerdings schon vorher bekannt: Quentin Tarantino hat zwar das Drehbuch geschrieben und produziert den Film, überlässt die Regie diesmal aber David Fincher. Damit treffen zwei der prägendsten amerikanischen Filmemacher der vergangenen Jahrzehnte aufeinander – und Brad Pitt steht erneut im Mittelpunkt.
Der Film setzt acht Jahre nach den Ereignissen von „Once Upon a Time in Hollywood“ ein. Wir schreiben das Jahr 1977, Hollywood hat sich verändert und auch Cliff Booth hat einen neuen Platz in der Filmindustrie gefunden. Aus dem Stuntman und Fahrer ist ein sogenannter Fixer geworden: jemand, der diskret Probleme für Studios und mächtige Personen aus der Branche löst – vorzugsweise solche Probleme, über die anschließend niemand sprechen soll. Die offizielle Zusammenfassung bringt das ziemlich deutlich auf den Punkt: Mord, Erpressung, Diebstahl und Nötigung gehören offenbar inzwischen zu Cliffs Berufsalltag.
Ein älterer Cliff Booth in einem anderen Hollywood
Schon der Trailer zeigt, dass Fincher und Tarantino die Figur nicht einfach dort weitermachen lassen wollen, wo der Film von 2019 aufgehört hat. Cliff trägt längere Haare und einen markanten Schnurrbart, fährt durch das Los Angeles der späten 1970er-Jahre und scheint sich in einer Grauzone zwischen Filmgeschäft, Kriminalität und Problemlösung eingerichtet zu haben. Das Hollywood von 1977 ist nicht mehr die Traumfabrik der späten 1960er-Jahre, die Tarantino in „Once Upon a Time in Hollywood“ gleichzeitig romantisierte und neu schrieb. Die Studios verändern sich, das alte Star-System verschwindet und ein deutlich härterer Ton hält Einzug.
Der Trailer deutet dabei weniger eine klassische Fortsetzung mit bekannten Figuren an als vielmehr einen Film, der Cliff Booth endgültig zur Hauptfigur macht. Eine Agentin, gespielt von Elizabeth Debicki, bringt ihn offenbar mit dem Fernsehstar Charlie Peters zusammen, den Scott Caan verkörpert. Hinzu kommen Carla Gugino und Yahya Abdul-Mateen II sowie Peter Weller, Holt McCallany, Timothy Olyphant und weitere bekannte Darsteller. Netflix selbst führt den Film als Mischung aus Drama, Komödie und Period Piece.
Wer Cliff aus dem ersten Film kennt, dürfte ungefähr erahnen, warum ausgerechnet er für diese Arbeit geeignet ist. Booth ist ruhig, loyal, körperlich gefährlich und besitzt eine bemerkenswerte Fähigkeit, auch in vollkommen eskalierenden Situationen gelassen zu bleiben. Bereits „Once Upon a Time in Hollywood“ spielte damit, dass hinter seiner entspannten Fassade eine Vergangenheit liegt, über die nur wenig eindeutig erklärt wird. Die neue Geschichte scheint genau dort anzusetzen und aus der einstigen Nebenfigur einen Mann zu machen, der für Hollywood Aufgaben übernimmt, bei denen normale Studiomitarbeiter lieber nicht ihren Namen hinterlassen würden.
Tarantino schreibt und David Fincher führt Regie
Für Filmfans dürfte allerdings fast noch spannender sein, wie sich Tarantinos Material unter der Regie von David Fincher verändert. Pitt und Fincher verbindet eine lange gemeinsame Geschichte. Bereits 1995 standen sie für „Sieben“ zusammen am Set, 1999 folgte „Fight Club“ und 2008 „Der seltsame Fall des Benjamin Button“. Nun kehren beide für eine Figur zurück, die bislang vollständig mit Tarantinos filmischer Handschrift verbunden war.
Die Kombination ist ungewöhnlich. Tarantinos Filme leben von langen Dialogen, popkulturellen Abschweifungen, plötzlichen Gewaltausbrüchen und seiner Liebe zur Filmgeschichte. Finchers Kino ist dagegen häufig präziser, kühler und kontrollierter inszeniert. Filme wie „Sieben“, „Zodiac“, „The Social Network“ oder „Gone Girl“ besitzen eine visuelle Disziplin, die sich deutlich von Tarantinos Stil unterscheidet. Im neuen Trailer lässt sich bereits erkennen, dass „The Further Mis-Adventures of Cliff Booth“ zwar weiterhin nach Tarantinos Hollywood aussieht, die Bilder aber wesentlich stärker nach Fincher wirken.
Gerade deshalb könnte das Projekt mehr werden als nur ein nachgereichter Ableger zu einem erfolgreichen Film. Hier übernimmt ein etablierter Regisseur eine Figur und ein Drehbuch eines anderen ebenso unverwechselbaren Filmemachers, ohne dass es sich um ein gewöhnliches Studioprojekt handelt. Tarantino bleibt als Autor eng mit Cliff Booth verbunden, während Fincher entscheidet, wie diese Welt diesmal aussieht und sich bewegt. Netflix bestätigt offiziell, dass Fincher Regie führt und Tarantino das Drehbuch geschrieben hat.
Erst IMAX, dann Netflix
Bemerkenswert ist außerdem die Veröffentlichung. Netflix bringt „The Further Mis-Adventures of Cliff Booth“ zunächst exklusiv in IMAX-Kinos. Der weltweite IMAX-Start ist für den 25. November 2026 vorgesehen, die exklusive Kinoauswertung läuft zwei Wochen. In Deutschland wird der Start aktuell für den 26. November geführt. Anschließend wandert der Film relativ schnell zum Streaming: Ab 23. Dezember 2026 soll er weltweit bei Netflix verfügbar sein.
Damit behandelt Netflix den Film wesentlich stärker als klassisches Kinoereignis als viele frühere Eigenproduktionen. Das passt zu Fincher, der trotz seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Netflix stets Filme mit ausgeprägter visueller Handschrift gedreht hat. Für „The Further Mis-Adventures of Cliff Booth“ ist der große IMAX-Start zudem ungewöhnlich passend: Das Hollywood der 1970er-Jahre, alte Autos, Studiogelände und Finchers präzise Bildgestaltung dürften auf einer großen Leinwand deutlich mehr Wirkung entfalten als ausschließlich im Streaming.
Cliff Booth bekommt endlich seine eigene Bühne
Dass ausgerechnet Cliff Booth eine eigene Geschichte bekommt, überrascht rückblickend kaum. Brad Pitts Figur war schon in „Once Upon a Time in Hollywood“ weit mehr als nur das Stuntdouble des von Leonardo DiCaprio gespielten Rick Dalton. Booth bewegte sich scheinbar mühelos zwischen heruntergekommenen Filmsets, Hollywood-Villen und der Spahn Ranch der Manson-Familie, ohne jemals wirklich aus der Ruhe zu geraten. Pitt spielte ihn als Relikt einer älteren Vorstellung von Männlichkeit: charmant, gefährlich, loyal und moralisch nicht immer eindeutig einzuordnen.
Der neue Film scheint genau diese Ambivalenz weiterzuführen. Aus einem Mann, der im Hintergrund eines Schauspielers lebte, ist nun jemand geworden, der im Hintergrund einer ganzen Industrie arbeitet. Der erste Trailer macht dabei nicht den Eindruck, als wolle Fincher Cliff plötzlich erklären oder moralisch eindeutig einordnen. Vielmehr scheint seine Vergangenheit weiterhin Teil des Reizes zu bleiben.
„The Further Mis-Adventures of Cliff Booth“ startet am 25. November 2026 für zwei Wochen weltweit in ausgewählten IMAX-Kinos und erscheint am 23. Dezember 2026 bei Netflix. Brad Pitt übernimmt erneut die Hauptrolle, David Fincher führt Regie und Quentin Tarantino schrieb das Drehbuch. Der jetzt veröffentlichte Trailer ist der bisher ausführlichste Blick auf die ungewöhnliche Fortsetzung von „Once Upon a Time in Hollywood“.
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