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- Vier Inseln statt Kinderzimmer
- Andere Tester sehen gerade in der offenen Welt die Stärke
- Fazit: Hot Wheels Unleashed
Hot Wheels Infinite Rush schickt die kleinen Flitzer erstmals in große offene Spielwelten – und genau daran scheiden sich die Geister. Während Fahrgefühl, Fahrzeugauswahl und Streckeneditor viel Lob bekommen, vermissen viele internationale Tester den besonderen Spielzeugcharme der Unleashed-Vorgänger. Unsere Presseschau zeigt, warum die neue Open World für manche Fortschritt und für andere der größte Schwachpunkt des Spiels ist.
Mit Hot Wheels Unleashed hatte Milestone 2021 beinahe beiläufig eine kleine Arcade-Rennspielreihe geschaffen, die deutlich besser funktionierte, als man es von einer Spielzeuglizenz erwarten musste. Der Reiz war denkbar einfach: winzige Modellautos, überdimensionierte Alltagswelten, orangefarbene Plastikstrecken und ein Fahrmodell, das innerhalb weniger Minuten verstanden war, trotzdem aber genug Kontrolle für schnelle Runden bot. Hot Wheels Unleashed 2: Turbocharged baute dieses Prinzip 2023 aus. Für den dritten Milestone-Ableger hätte man diesen Weg einfach fortsetzen können. Doch Hot Wheels Infinite Rush macht das, was inzwischen offenbar beinahe jede größere Spielereihe irgendwann machen muss: Es wird Open World. Seit dem 10. September 2026 dürfen die kleinen Fahrzeuge nicht mehr nur auf abgesteckten Kursen durch Keller, Kinderzimmer und andere überdimensionierte Umgebungen rasen, sondern vier frei befahrbare Inseln erkunden. Die internationale Presse ist sich erstaunlich einig, dass Milestone das eigentliche Fahren weiterhin sehr gut beherrscht. Viel kontroverser fällt die Antwort auf eine andere Frage aus: Hat Hot Wheels diese offene Welt überhaupt gebraucht?
Vier Inseln statt Kinderzimmer
Infinite Rush stammt erneut vom italienischen Studio Milestone, das neben den beiden Hot-Wheels-Unleashed-Spielen vor allem für Rennspielserien wie MotoGP und RIDE bekannt ist. Inhaltlich verabschiedet sich das Studio deutlich vom bisherigen Aufbau. Wheelswood, Tentacle Bay, Gearville und Drifty Temples bilden die vier großen Spielgebiete, zwischen denen nach und nach gewechselt wird. Hier liegen klassische Rennen, Zeitprüfungen, Drift-Herausforderungen, Sammelobjekte und kleinere Aktivitäten nicht mehr sauber hintereinander in einer Menüstruktur, sondern verteilt in der Umgebung. Auf jeder Insel arbeitet man sich außerdem zu einem sogenannten Rush Master vor, der schließlich in einem direkten Duell geschlagen werden muss. Mehr als 150 Fahrzeuge gehören zum Grundspiel, die Milestone in die vier Kategorien Flexis, Drifter, Raser und Titanen aufteilt. Das ist nicht nur Kosmetik: Die Klassen unterscheiden sich bei Geschwindigkeit, Handling und Boost-Verhalten und sollen für verschiedene Aufgaben jeweils eigene Vorteile mitbringen. Dazu kommt wieder der Streckeneditor, der diesmal stärker mit der offenen Umgebung verzahnt wurde. Streckenteile können um Gebäude herum oder durch Teile der Landschaft geführt werden, eigene Kreationen lassen sich anschließend teilen. Online-Rennen, Crossplay mit Ausnahme der Switch-2-Version und lokaler Mehrspieler gehören ebenfalls zum Paket. Auf dem Papier ist Infinite Rush damit größer, offener und umfangreicher als seine beiden Vorgänger.
Genau dieses „größer“ ist allerdings der Punkt, an dem die Bewertungen auseinandergehen. Push Square vergibt lediglich 6 von 10 Punkten und beschreibt die Open World nicht als Fortschritt, sondern eher als unnötigen Zusatz zu einem bereits funktionierenden Konzept. Das Fahrverhalten sei im Kern noch immer so gelungen wie bei Unleashed, auch die Rennen machten Spaß und die Modelle der Spielzeugautos sähen hervorragend aus. Die vier offenen Karten seien dagegen wenig inspirierend und spielerisch nicht interessant genug, um die Entscheidung für eine offene Struktur zu rechtfertigen. Ähnlich argumentiert Finger Guns mit 7 von 10 Punkten. Dort wird vor allem der Verlust jenes Größenverhältnisses kritisiert, das Hot Wheels Unleashed so unverwechselbar machte. Wenn ein winziges Auto zwischen Seifenspendern, Möbelstücken oder Gegenständen aus dem Alltag hindurchschoss, entstand automatisch die Illusion, tatsächlich mit Spielzeug zu fahren. Die Städte und Landschaften von Infinite Rush seien zwar bunt, technisch sauber und vollgestopft mit Aktivitäten, wirkten im direkten Vergleich aber generischer. Finger Guns zieht deshalb sogar Parallelen zu LEGO 2K Drive und sieht Infinite Rush deutlich näher an einem klassischen Open-World-Arcade-Racer als an der besonderen Spielzeugwelt seiner Vorgänger.
Diese Kritik findet sich auch in Press Starts Test wieder, dort allerdings etwas milder. Mit 7,5 von 10 Punkten wird Infinite Rush als eine Art kindgerechtes Burnout Paradise beschrieben: riesig, zugänglich und mit einer beinahe überwältigenden Zahl von Dingen, die auf den Karten erledigt und gesammelt werden können. Die Detailarbeit an den Fahrzeugen bekommt ausdrücklich Lob. Lackierungen, Materialoberflächen und selbst kleine Gebrauchsspuren vermitteln weiterhin glaubwürdig den Eindruck echter Hot-Wheels-Modelle im Maßstab 1:64. Gleichzeitig beklagt auch Press Start, dass der Wechsel in die Open World einen Teil der alten Magie kostet. Die spektakulären Hot-Wheels-Bauteile – Haie, Spinnen, Loopings und andere überzeichnete Hindernisse – seien zwar weiterhin vorhanden, würden aber längst nicht jede Strecke oder jedes Ereignis prägen. Hinzu kommen viele Ladebildschirme sowie sichtbares Textur-Pop-in. Das ist interessant, weil hier ein Muster erkennbar wird: Kaum jemand greift das grundlegende Fahrgefühl an. Die Zweifel richten sich fast vollständig gegen die Welt, die darum gebaut wurde.
Andere Tester sehen gerade in der offenen Welt die Stärke
Ganz eindeutig fällt das internationale Urteil deshalb nicht aus. But Why Tho? kommt auf 8 von 10 Punkten und betrachtet praktisch dieselben Elemente deutlich positiver. Dort funktionieren die vier Inseln gerade deshalb, weil sie weniger wie klassische Rennstrecken und mehr wie riesige Hot-Wheels-Spielplätze aufgebaut sind. Rennen, Fotomotive, Stunts, Sammelobjekte und kleinere Herausforderungen lassen sich beim Herumfahren spontan entdecken. Verschiedene Rennformen wie Eliminierungsrennen, Zeitfahren und Drift-Events verhindern nach Ansicht des Testers weitgehend, dass die Kampagne ausschließlich aus identischen Rundkursen besteht. Besonders positiv wird außerdem der Track Builder aufgenommen. Kritik gibt es allerdings an langen Ladezeiten der Switch-2-Fassung. Zwischen Rennen oder beim Wechsel der Insel können dort laut Test 20 bis 30 Sekunden vergehen. Trotzdem bezeichnet das Magazin Infinite Rush unterm Strich als ausgesprochen gelungenes Hot-Wheels-Spiel, gerade für ein jüngeres Publikum oder Spieler, die weniger an anspruchsvoller Rennsimulation als an unkompliziertem Entdecken und Sammeln interessiert sind.
Noch positiver urteilt The Outerhaven mit 4,5 von 5 Punkten. Dort wird gerade die Mischung aus Rennen, Erkundung und Sammeltrieb als größte Stärke beschrieben. Die mehr als 150 Fahrzeuge, vier Klassen, versteckten Zahnräder, Sticker und Hot-Wheels-Symbole sowie die kreativen Werkzeuge erzeugten genügend Beschäftigung, um nicht ausschließlich von einem Rennen zum nächsten fahren zu müssen. Hervorgehoben werden außerdem umfangreiche Zugänglichkeitsoptionen, frei belegbare Tasten und die Möglichkeit, die Spielgeschwindigkeit anzupassen. Interessant ist allerdings, dass selbst dieser sehr positive Test zwei Punkte anspricht, die auch bei kritischeren Magazinen wiederkehren: Die Open-World-Aktivitäten können sich mit der Zeit wiederholen und erfahrenen Rennspielern dürfte Infinite Rush stellenweise zu leicht sein. Sports Gamers Online landet ebenfalls bei 8 von 10 Punkten. Fahrgefühl, Geschwindigkeit und Präsentation gehören dort zu den großen Pluspunkten, während sich die Aufgaben über die vier Inseln zu stark wiederholen und der geringe Schwierigkeitsgrad längere Sessions irgendwann in eine relativ gedankenlose Sammelrunde verwandeln könne. Gerade für jüngere Spieler wird diese Zugänglichkeit allerdings wiederum als Vorteil gesehen.
Damit zeichnet sich trotz der unterschiedlichen Wertungen ein recht klares Gesamtbild ab. Milestone hat das Fundament seiner Hot-Wheels-Spiele offenbar nicht beschädigt. Die Autos reagieren schnell, Drifts gehen leicht von der Hand, Boosts sorgen für das notwendige Arcade-Tempo und die Fahrzeugmodelle gehören weiterhin zu den auffälligsten Stärken der Reihe. Auch an Inhalt mangelt es Infinite Rush kaum. Wer gerne Karten abfährt, Symbole einsammelt, Fahrzeuge freischaltet und zwischen kurzen Herausforderungen wechselt, bekommt hier vermutlich mehr Beschäftigung als in beiden Unleashed-Spielen. Doch Masse und Freiheit ersetzen nicht automatisch ein starkes Konzept. Bei Unleashed bestand der eigentliche Witz gerade darin, dass ein winziges Spielzeugauto durch eine Welt raste, die nicht für dieses Auto gebaut worden war. Ein Tisch wurde plötzlich zur Landschaft, eine Couch zum Hindernis und ein Plastiktrack zur Rennstrecke. Infinite Rush dreht dieses Verhältnis um. Seine Welten wurden von Anfang an für Hot Wheels konstruiert. Das ermöglicht mehr Freiheit, nimmt dem Spiel aber paradoxerweise einen Teil des Größenkontrasts, der die Vorgänger so charmant gemacht hat.
Und damit landet Hot Wheels Infinite Rush mitten in einer Diskussion, die weit über diese eine Lizenz hinausgeht. Open World wird im modernen Spieldesign häufig als automatische Erweiterung verstanden: mehr Raum, mehr Aufgaben, mehr Sammelobjekte, mehr Spielzeit. Infinite Rush zeigt jedoch recht deutlich, dass größer nicht zwangsläufig charakteristischer bedeutet. Milestone liefert offenbar weiterhin einen schnellen und technisch kompetenten Arcade-Racer ab. Die Frage ist vielmehr, ob die Serie auf dem Weg in die offene Welt etwas geopfert hat, das sich nicht einfach durch hundert zusätzliche Symbole auf einer Karte ersetzen lässt. Die internationale Presseschau beantwortet diese Frage unterschiedlich, aber die Trennlinie ist ungewöhnlich klar: Wer Infinite Rush als riesigen digitalen Hot-Wheels-Spielplatz betrachtet, findet darin viel zu entdecken und bekommt einen zugänglichen Racer mit enormer Fahrzeugsammlung. Wer die beiden Unleashed-Spiele vor allem wegen ihrer fantasievollen Miniaturwelten mochte, könnte dagegen ausgerechnet in der größeren Welt weniger Hot Wheels wiederfinden. Vielleicht ist das die interessanteste Erkenntnis dieses dritten Milestone-Spiels: Nicht jedes Rennspiel braucht eine Open World, nur weil eine hineinpasst.
Fazit: Hot Wheels Unleashed
Hot Wheels Infinite Rush ist offenbar kein Fehltritt, aber auch nicht der klare nächste Schritt, den sich Milestone vermutlich erhofft hat. Das Fahrgefühl bleibt schnell, direkt und zugänglich, die Fahrzeugauswahl ist groß und der Streckeneditor gehört weiterhin zu den stärksten Elementen. Gleichzeitig zeigt die internationale Presse erstaunlich geschlossen auf denselben Schwachpunkt: Die offene Welt bringt mehr Fläche, mehr Aufgaben und mehr Freiheit, aber nicht automatisch mehr Persönlichkeit.
Gerade im Vergleich zu Hot Wheels Unleashed verliert Infinite Rush etwas von jener Spielzeugmagie, die aus alltäglichen Räumen plötzlich Rennwelten gemacht hat. Wer einfach einen unkomplizierten Arcade-Racer mit vielen Autos, Sammelobjekten und offenen Gebieten sucht, dürfte hier viel Spaß haben. Wer dagegen genau dieses besondere Miniaturgefühl der Vorgänger mochte, könnte die neue Richtung als Rückschritt empfinden. Infinite Rush ist damit ein gutes Beispiel dafür, dass Open World nicht automatisch Fortschritt bedeutet. Manchmal ist eine kleinere, klarer inszenierte Spielwelt schlicht die bessere Idee.
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