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Gears of War: E-Day im internationalen Pressespiegel: Zurück zu alter Stärke oder seit 20 Jahren dasselbe Spiel?
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Gears of War: E-Day im internationalen Pressespiegel: Zurück zu alter Stärke oder seit 20 Jahren dasselbe Spiel?

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Von Redaktion videogames.de   02.10.2026 15:56 Uhr  
ca. 1942 Worte   Lesezeit ca. 7 Minuten   Auf X teilen
Inhalt:
  1. Der alte Gears-Kern funktioniert offenbar besser denn je
  2. Eine Stadt fällt auseinander und doch nicht jeder findet die Reise durch Kalona spannend
  3. Marcus und Dom sind zurück aber gerade ihre Geschichte spaltet die Tester
  4. Das eigentliche Problem ist vielleicht nicht E-Day sondern Gears of War selbst
  5. Fazit der internationalen Presse: Ein sehr gutes Gears – und genau darüber lässt sich streiten

Fast sieben Jahre nach Gears 5 kehrt eine der prägendsten Xbox-Serien zurück. Gears of War: E-Day erzählt nicht weiter, was aus Kait Diaz und der Welt nach dem fünften Teil wird, sondern geht zurück an den Anfang: zu jenem Tag, an dem die Locust erstmals aus der Tiefe hervorbrechen und die Zivilisation auf Sera innerhalb weniger Stunden in einen Krieg stürzen. Marcus Fenix und Dominic Santiago stehen wieder im Mittelpunkt, The Coalition verspricht mehr Horror, mehr Brutalität und eine Rückbesinnung auf das ursprüngliche Gears of War. Die internationale Presse sieht darin überwiegend eine gelungene Rückkehr – stellt aber zugleich eine unbequeme Frage: Wie sehr darf sich eine Spielserie darauf verlassen, auch nach 20 Jahren noch immer dasselbe außergewöhnlich gute Spielprinzip zu perfektionieren?

Als das erste Gears of War 2006 für die Xbox 360 erschien, war sein Einfluss kaum zu überschätzen. Epic Games machte das Deckungssystem zum bestimmenden Element eines Third-Person-Shooters: Von Deckung zu Deckung sprinten, hinter Betonwänden hervorschießen, Gegner flankieren und mit Waffen kämpfen, die sich nicht wie leichte Requisiten, sondern wie schwere Maschinen anfühlten. Die Wirkung war gewaltig. In den folgenden Jahren übernahmen zahllose Actionspiele Elemente dieses Systems. Marcus Fenix, Dominic Santiago, die Kettensäge des Lancers und der sogenannte Roadie Run wurden zu Symbolen einer ganzen Xbox-Generation. Seitdem hat sich Gears immer wieder verändert, aber nie neu erfunden. Gears 2 erweiterte die Formel und brachte den Horde-Modus, Gears 3 perfektionierte das Zusammenspiel aus Kampagne und Koop, während Gears 4 und vor allem Gears 5 unter dem neuen Entwickler The Coalition moderner, größer und stellenweise offener wurden.

Doch nach dem fünften Teil wurde es ungewöhnlich still um die Hauptserie. Nun geht The Coalition nicht weiter nach vorne, sondern bewusst zurück. E-Day spielt 14 Jahre vor dem ersten Gears of War. Marcus und Dom sind jünger, die Locust noch keine bekannte Kriegsmaschine, sondern eine plötzlich auftauchende Bedrohung. Schauplatz ist die Stadt Kalona, die zu Beginn noch weitgehend intakt ist und im Verlauf des Emergence Day zunehmend auseinandergerissen wird. Das Spiel erscheint regulär am 6. Oktober 2026 für Xbox Series X|S und PC; Käufer der Premium Edition sowie entsprechend berechtigte Game-Pass-Nutzer können bereits seit dem 1. Oktober im Early Access spielen. Entwickelt wird es erneut von The Coalition. Der internationale Testdurchschnitt fällt zum Start stark aus: Windows Central meldet derzeit 88 Punkte bei Metacritic und 87 Punkte bei OpenCritic. Allerdings gibt es einen wichtigen Vorbehalt: Viele der ersten Tests beziehen sich ausschließlich oder überwiegend auf die Kampagne, weil die finalen Multiplayer-Modi während des Review-Zeitraums noch nicht vollständig verfügbar waren.

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Der alte Gears-Kern funktioniert offenbar besser denn je

Überraschend eindeutig fällt das internationale Urteil dort aus, wo es für Gears eigentlich am wichtigsten ist: beim Kampf. Fast unabhängig davon, ob ein Magazin am Ende begeistert oder enttäuscht ist, wird das eigentliche Schießen gelobt. IGN vergibt 9 von 10 Punkten und sieht in E-Day eine Kampagne, die sich mit den stärksten Teilen der Reihe messen könne. Die Weiterentwicklung von Gegnern, Waffen und Bewegungsmöglichkeiten sei deutlich genug, um das klassische Gears-System frisch wirken zu lassen, ohne dessen Identität aufzugeben. VGC kommt auf 4 von 5 Punkten und formuliert ähnlich: Beim reinen Gunplay gebe es derzeit nur wenige Spiele, die mit E-Day mithalten könnten. GamesRadar+ geht noch weiter und bezeichnet die Kampagne bereits in seinem vorläufigen Test als Triumph. Besonders das neue adaptive Deckungssystem hebt die Redaktion hervor. Deckung ist nicht mehr nur eine Ansammlung klar markierter Mauern und Sandsäcke, an denen Marcus einrastet. Höhenunterschiede, zerstörbare Elemente, niedrigere Hindernisse und die vertikalere Architektur der Kampfarenen machen die Gefechte flexibler.

Marcus kann springen, rutschen und sich schneller zwischen verschiedenen Positionen bewegen. Damit verändert The Coalition nicht das Grundprinzip von Gears, sondern erweitert dessen Möglichkeiten. Der Spieler verbringt noch immer einen erheblichen Teil der Kämpfe hinter Deckung, doch die Räume fühlen sich weniger statisch an als in den frühen Teilen. Selbst kritischere Tests teilen diese Einschätzung. Der Guardian, der insgesamt lediglich 3 von 5 Sternen vergibt, bezeichnet das Kampfsystem sinngemäß als das beste, das die Reihe in ihren zwei Jahrzehnten hervorgebracht hat. Auch PC Gamer kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Das Schießen funktioniere hervorragend, die Waffen hätten enorme Wirkung und das moderne Movement passe erstaunlich gut zu einem Spiel, dessen mechanische Grundlagen aus dem Jahr 2006 stammen. Die eigentliche Kontroverse beginnt deshalb nicht mit dem Lancer, dem Gnasher oder dem Deckungssystem – sondern mit allem, was The Coalition um diese Gefechte herum gebaut hat.

Eine Stadt fällt auseinander und doch nicht jeder findet die Reise durch Kalona spannend

Der wahrscheinlich größte neue Hauptdarsteller heißt deshalb nicht Marcus oder Dom, sondern Kalona. GamesRadar+ beschreibt die Stadt als einen der stärksten Schauplätze, die bislang für einen Shooter geschaffen wurden. Zu Beginn vermittelt sie noch den Eindruck einer real existierenden Metropole mit Straßenzügen, Industrieanlagen, militärischen Einrichtungen und einer eigenen Geschichte. Während der Locust-Invasion verändert sich dieses Bild immer weiter. Straßen brechen auf, Gebäude werden zerstört, Zivilisten versuchen zu entkommen und aus einer vertrauten urbanen Umgebung wird zunehmend ein Kriegsgebiet.

Die Entscheidung, den Emergence Day aus dieser unmittelbaren Perspektive zu erzählen, gibt The Coalition außerdem die Möglichkeit, die Locust wieder anders erscheinen zu lassen. Für Marcus, Dom und die Bevölkerung sind diese Kreaturen zu diesem Zeitpunkt keine seit Jahren bekannten Gegner. Niemand weiß genau, woher sie kommen, wie viele es gibt oder womit man es überhaupt zu tun hat. Dadurch kann E-Day zeitweise stärker mit Horror arbeiten, als es spätere Serienteile konnten. Genau hier findet sich allerdings auch einer der größten Streitpunkte der internationalen Tests. The Coalition will Kalona nicht nur als Kulisse benutzen und öffnet deshalb Teile der Kampagne stärker. Es gibt größere Bereiche, optionale Ziele und mehr Möglichkeiten zur Erkundung. Das erinnert teilweise an die Experimente von Gears 5, ohne dessen große Skiff-Gebiete vollständig zu übernehmen. Während GamesRadar+ die Stadt gerade wegen ihrer räumlichen Glaubwürdigkeit lobt, empfindet Windows Central diese offenen Passagen als unfertig und künstlich gestreckt. GameSpot urteilt ähnlich und bezeichnet die offenen Bereiche als einen der schwächeren Teile des Spiels.

PC Gamer hatte diesen Verdacht bereits nach einer Vorschau: Die traditionellen, stark inszenierten linearen Missionen funktionierten ausgezeichnet, während die offeneren Abschnitte deutlich weniger überzeugten. Der Guardian geht noch weiter und kritisiert wiederholte Wege, Nebenaufgaben und einen Rhythmus, der die Wucht der eigentlich hervorragenden Gefechte regelmäßig unterbreche. Ausgerechnet der Versuch, die fast 20 Jahre alte Gears-Formel aufzubrechen, gehört damit zu den Dingen, die bei mehreren Kritikern schlechter funktionieren als die klassische Formel selbst.

Marcus und Dom sind zurück aber gerade ihre Geschichte spaltet die Tester

Noch überraschender fallen die Meinungen zur Handlung aus. Eigentlich besitzt E-Day dafür ideale Voraussetzungen. Fans wissen seit Jahrzehnten, wie wichtig die Freundschaft zwischen Marcus Fenix und Dominic Santiago für die Serie ist. Jetzt könnte The Coalition zeigen, wie aus zwei jungen Soldaten jene Männer wurden, die wir im ursprünglichen Gears of War kennenlernen. Der Zeitpunkt dafür ist bewusst gewählt: Marcus und Dom befinden sich am Ende eines anderen Krieges, als plötzlich eine Katastrophe beginnt, deren Ausmaß niemand versteht. Xbox selbst stellt die Verbindung der beiden Figuren und den Schrecken des Emergence Day in den Mittelpunkt des Spiels. IGN hält diesen Ansatz für gelungen und sieht eine emotionale Vorgeschichte mit starken Figuren, obwohl der Spieler das spätere Schicksal vieler Beteiligter bereits kennt. Windows Central lobt ebenfalls die Atmosphäre und die emotionaleren Momente.

Andere Redaktionen sehen genau hier jedoch verschenktes Potenzial. VGC kritisiert, dass die Kampagne zwar ständig neue spektakuläre Situationen auffahre, die Beziehung zwischen Marcus und Dom aber erstaunlich wenig Raum bekomme. Neue Figuren wie Mags und Lucas würden teilweise sogar stärker entwickelt als jene beiden Charaktere, deren gemeinsame Vergangenheit eigentlich das zentrale Versprechen dieses Prequels darstellt. PC Gamer geht in seinem noch nicht abgeschlossenen Test ebenfalls kritisch mit Marcus um: Wer gehofft habe, durch die jüngere Version des Helden überraschend neue Seiten kennenzulernen, könne enttäuscht werden. Damit entsteht ein merkwürdiger Gegensatz. E-Day kehrt ausdrücklich zu Marcus und Dom zurück, erzählt den wichtigsten historischen Moment der gesamten Serie und findet gleichzeitig nicht für jeden Kritiker genug neue Antworten darauf, wer diese Figuren eigentlich waren, bevor sie zu Ikonen wurden.

Das eigentliche Problem ist vielleicht nicht E-Day sondern Gears of War selbst

Genau an diesem Punkt wird die internationale Presseschau interessanter als eine einfache Sammlung von Wertungen. Denn die Frage lautet offensichtlich nicht, ob Gears of War: E-Day handwerklich funktioniert. Dafür ist die Zustimmung zu Grafik, Gunplay, Inszenierung und Technik zu groß. Die eigentliche Frage lautet vielmehr, was man im Jahr 2026 von einem neuen Gears of War erwartet. GameSpot bringt diese Diskussion besonders deutlich auf den Punkt. Die Redaktion vergibt 7 von 10 Punkten und erkennt an, dass E-Day ein gutes Spiel ist – kritisiert aber, dass der zentrale Kampfablauf trotz aller Verbesserungen nicht fundamental anders funktioniert als vor 20 Jahren.

PC Gamer argumentiert ähnlich und beschreibt eine Kampagne, deren Schießen ausgezeichnet sei, die sich aber über ihre lange Spielzeit zunehmend wiederhole. Der Guardian sieht darin das größte Problem des gesamten Spiels: E-Day zeige früh, was es könne, finde anschließend aber zu wenige neue Möglichkeiten, diese Ideen weiterzuentwickeln. Auf der anderen Seite stehen IGN, VGC und GamesRadar+, für die gerade diese Konzentration auf die alten Stärken funktioniert. VGC formuliert sogar eine interessante Gegenposition: Manche Serien profitieren von ständiger Neuerfindung, andere funktionieren am besten, wenn sie wissen, was sie gut können und Gears gehöre eher zur zweiten Kategorie. Diese Haltung erklärt vielleicht auch, warum die durchschnittlichen Wertungen trotz der Kritik so hoch sind. The Coalition versucht nicht, aus Gears of War ein Rollenspiel, einen vollständig offenen Shooter oder ein modernes Service-Spiel zu machen. Der Entwickler verfeinert stattdessen ein Kampfsystem, das bereits 2006 außergewöhnlich gut funktioniert hat. Die Bewegungen werden schneller, die Deckungen dynamischer, die Arenen vertikaler, Gegner und Waffen komplexer – aber wer damals mit Marcus hinter einer Betonmauer saß, um im richtigen Moment mit dem Lancer hervorzubrechen, wird auch 2026 sofort verstehen, was von ihm verlangt wird.

Fazit der internationalen Presse: Ein sehr gutes Gears – und genau darüber lässt sich streiten

Das bisherige internationale Urteil über Gears of War: E-Day ist deshalb ungewöhnlich eindeutig und gleichzeitig erstaunlich gespalten. Eindeutig ist die Qualität des eigentlichen Spiels in dem Moment, in dem geschossen wird. Waffen besitzen Gewicht und Wirkung, die Locust wirken wieder gefährlich, die neuen Bewegungsmöglichkeiten erweitern den klassischen Deckungskampf und Kalona liefert eine technisch beeindruckende Bühne für die Katastrophe. In diesen Momenten scheint The Coalition genau verstanden zu haben, warum das ursprüngliche Gears of War vor 20 Jahren einen solchen Eindruck hinterließ. Gespalten ist die Presse dagegen bei allem, was darüber hinausgehen soll. Die einen sehen in der bewussten Rückkehr zum Kern der Serie genau die richtige Entscheidung. Die anderen erkennen darin eine Franchise, die zwar fast jede einzelne Mechanik perfektioniert hat, aber noch immer vor der grundsätzlichen Frage steht, wohin sie sich eigentlich entwickeln möchte.

Vielleicht ist das die interessanteste Erkenntnis aus den ersten internationalen Tests: Gears of War: E-Day wird kaum dafür kritisiert, ein schlechtes Gears zu sein. Es wird dafür kritisiert, möglicherweise zu sehr Gears zu sein. Nach zwei Jahrzehnten ist das zugleich ein bemerkenswertes Kompliment und ein Problem. Nur wenige Actionspiele besitzen eine mechanische Identität, die so lange Bestand hat. Doch wenn GameSpot einwendet, dass sich der Kern des Kampfsystems in 20 Jahren gar nicht so stark verändert habe, oder der Guardian trotz hervorragender Feuergefechte nur drei Sterne vergibt, dann steckt darin eine berechtigte Diskussion über die Zukunft der Reihe. E-Day beantwortet sie offenbar nicht mit einer Revolution. The Coalition blickt zurück, nimmt Marcus und Dom wieder an die Hand, setzt sie mitten in den Untergang einer Stadt und baut um eine der bekanntesten Shooter-Formeln der vergangenen zwei Jahrzehnte das technisch aufwendigste Gears bislang. Für viele internationale Tester reicht genau das für eine Rückkehr zu alter Stärke. Für andere zeigt gerade diese Rückkehr, dass der nächste große Schritt der Serie noch aussteht.