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Valor Mortis im Test: Internationaler Pressespiegel zeigt ein tief gespaltenes Lager
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Valor Mortis im Test: Internationaler Pressespiegel zeigt ein tief gespaltenes Lager

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Von Redaktion videogames.de   12.10.2026 20:17 Uhr  
ca. 1303 Worte   Lesezeit ca. 4 Minuten 30 Sekunden   Auf X teilen
Inhalt:
  1. Ein Albtraum aus Stahl und Schwarzpulver: Was ist Valor Mortis?
  2. Die internationale Kritik: Der schmale Grat zwischen Design-Genie und Frustration
  3. Fazit: Ein mutiges Experiment mit Ecken und Kanten

Napoleonische Kriege, alchemistischer Horror und ein knallhartes Kampfsystem komplett aus der Ego-Perspektive: Mit Valor Mortis wagt das polnische Entwicklerstudio One More Level ein radikales Design-Experiment, das die Gaming-Welt spaltet. Ist das neue Werk der Ghostrunner-Macher ein genialer Genrestreich oder purer Frust? Für videogames.de haben wir das unkonventionelle Action-Rollenspiel analysiert. In unserer großen dreiteiligen Artikelserie beleuchten wir das kompromisslose Gameplay, dröseln das gemischte internationale Presseecho auf und verraten, warum der Budget-Preis und der Xbox Game Pass dieses Launch-Wochenende für jeden Soulslike-Fan spannend machen.

Ein Albtraum aus Stahl und Schwarzpulver: Was ist Valor Mortis?

Mit Valor Mortis bricht das polnische Entwicklerstudio One More Level mit den ungeschriebenen Gesetzen zweier extrem populärer Genres. Nach den weltweiten Erfolgen der beiden Ghostrunner-Teile verlässt das Team die bekannten Cyberpunk-Szenarien und wagt den Sprung in ein spielerisch wie atmosphärisch radikales Experiment. Sie präsentieren ein knallhartes Action-Rollenspiel im Stil von Dark Souls, das die gewohnte Kamera-Perspektive opfert und den Spieler stattdessen komplett in die Ego-Ansicht zwingt. Das Ergebnis ist kein klassischer Ego-Shooter und kein typischer Klon bekannter Third-Person-Spiele, sondern eine eigenwillige und erdrückende Neuinterpretation von virtuellem Nahkampf.

Visuell und erzählerisch verlässt das Spiel die ausgetretenen Pfade der klassischen Fantasy. Die Handlung entführt in ein alternatives frühes 19. Jahrhundert. Europa zeigt sich zerrissen von den Nachwehen der Napoleonischen Kriege, doch der wahre Feind ist nicht mehr die feindliche Armee. Eine mysteriöse, mutierte Seuche hat Schlachtfelder und Städte in groteske Leichenfelder verwandelt. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Soldaten, der durch alchemistische Experimente verändert wurde und nun als Söldner überleben muss. Die Spielwelt atmet den Schmutz dieser Epoche durch zerschossene Festungen, nebelverhangene Schützengräben und barocke Ruinen. Überall mischt sich die historische Ästhetik von stolzen Uniformen und Dreispitzen mit dem blanken Horror von Mutationen und mechanischen Prothesen.

Wer das hohe Tempo von Ghostrunner erwartet, muss in den ersten Sekunden schmerzhaft umlernen. Das Gameplay setzt auf das unerbittliche Gewichts- und Ausdauermanagement eines reinrassigen Soulslikes, bricht das Ganze jedoch durch die Brille der Ego-Perspektive auf das Zusammenspiel verschiedener Kernsysteme herunter. Der Nahkampf erfordert Entscheidungen in Millisekunden. Da das Ausweichen in der Ego-Perspektive schnell zur Desorientierung führt, bildet das perfekte Parieren die wichtigste Überlebensgarantie. Spieler müssen die gegnerischen Angriffsanimationen direkt vor ihren Augen lesen, um die gegnerische Haltung im richtigen Moment durch einen präzisen Block zu brechen.
Diese Klingenarbeit fusioniert eng mit dem Einsatz von historischen Feuerwaffen. Zwar führt der Charakter Musketen, Pistolen und klobige Schrotflinten mit sich, doch das Spiel funktioniert nicht wie ein herkömmlicher Shooter. Die Munition bleibt extrem selten und kostbar. Die Schusswaffen fungieren stattdessen als strategisches Werkzeug zur Unterbrechung. Ein gezielter Schuss bricht die unblockbaren Angriffe schwerer Elite-Gegner oder reißt die Deckung von Bossen auf. Trotz des hohen Gewichts bleibt die Handschrift der Entwickler durch die Bewegung spürbar. Die Vertikalität der Areale zwingt dazu, Sprints, Rutschmanöver und kurze Klettereinlagen in den Kampf einzubauen, um verheerenden Flächenangriffen der Bosse zu entgehen.

Ein klassisches Level-System mit Attributen wie Stärke oder Intelligenz sucht man in dieser Welt vergeblich. Die Charakterentwicklung verläuft hochgradig modular über ein alchemistisches System. Im Verlauf der Reise injiziert sich der Spieler verschiedene Seren, welche die Funktionsweise der Ausdauer verändern, das Zeitfenster für Paraden modifizieren oder den Klingenangriffen Statuseffekte wie Gift hinzufügen. Gepaart mit mechanischen Upgrades der eigenen Arm-Prothese lässt sich der Spielstil jederzeit an die bevorstehende Herausforderung anpassen. Valor Mortis präsentiert sich somit als ein hochgradig faszinierendes, kompromissloses Konzept, das vom Spieler verlangt, das gelernte Muskelgedächtnis klassischer Action-Spiele komplett zu löschen und sich auf ein brutales Mittendrin-Gefühl einzulassen.

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Die internationale Kritik: Der schmale Grat zwischen Design-Genie und Frustration

Der Einzug von Valor Mortis in die weltweiten Redaktionsstuben gleicht einer echten Zerreißprobe. Selten hat ein Action-Titel in jüngerer Zeit die Gemüter der internationalen Fachpresse so tiefgehend gespalten wie das neueste Werk von One More Level. Das Spektrum der Meinungen reicht von euphorischem Lob für das visionäre Kampfsystem bis hin zu tiefer Frustration über handwerkliche Mängel. Die aggregierte internationale Wertung pendelt sich am Vortag des offiziellen Releases bei einem Metacritic-Schnitt von 76 Punkten ein. Dieser Wert täuscht jedoch über die enorme Diskrepanz der Extremwertungen hinweg, die von absoluten Höchstnoten im 90er-Bereich bis hin zu deutlichen Abstrafungen im mittleren 60er-Segment reichen.

Die Riege der Verteidiger wird von Medien angeführt, die das Spiel für seinen kompromisslosen Gameplay-Flow und die intensive Dynamik feiern. In den Duellen gegen einzelne Bosse oder Elite-Soldaten entfaltet die First-Person-Perspektive eine Wucht, die klassische Third-Person-Vertreter des Genres kaum erreichen können. Wenn Klingen direkt vor den Augen des Spielers aufeinandertreffen, erzeugt das System aus perfekt getimten Paraden und Rhythmuswechseln eine packende Spannung. Kritiker vergleichen dieses Gefühl oft mit einer Ego-Ansicht von Sekiro. Das taktische Einweben der Schwarzpulver-Mechanik erfährt ebenfalls viel Zuspruch, da die seltenen Schüsse als Rettungsanker dienen, um tödliche Angriffe im letzten Moment abzuwehren.

Am anderen Ende des Kritikerspektrums steht eine deutliche Unzufriedenheit mit der spielerischen Struktur der ersten Stunden. Nahezu jede internationale Rezension bemängelt den Einstieg durch ein visuell monotones und spielerisch zähes Kanalisationssystem. Da dem Charakter zu diesem frühen Zeitpunkt noch essenzielle Mobilitäts- und Defensivoptionen im alchemistischen Skilltree fehlen, mutiert der allererste Pflicht-Bosskampf zu einer unbarmherzigen Geduldsprobe. Das Balancing schwankt hier spürbar zwischen unfair und träge, da die feindlichen Lebensbalken ohne die späteren Upgrades wie zähe Schwämme wirken. Viele Tester sprechen hier von einer unnötig hohen Einstiegshürde, die potenzielle Fans früh abschrecken könnte.

Ein weiterer mechanischer Bruchpunkt betrifft den unvermeidlichen Verlust der Übersicht. Durch die natürliche Einschränkung des Sichtfeldes in der Ego-Ansicht kollabiert die taktische Kontrolle, sobald das Leveldesign den Spieler mit größeren Gegnergruppen konfrontiert. Das Fehlen peripherer Wahrnehmung führt regelmäßig zu Toden durch Flankenangriffe aus dem toten Winkel, was durch ungenaue Trefferzonen bei manchen gegnerischen Stoßangriffen noch verstärkt wird. Zuletzt ernten auch die First-Person-Parkour-Passagen über tiefen Abgründen harte Kritik. Was in Ghostrunner noch spielerisches Highlight war, fühlt sich in Kombination mit dem trägeren Soulslike-Gewicht oft schwammig und frustrierend an.

Zusätzlich leidet die Produktion unter typischen technischen Unsauberkeiten. Berichte über spürbare Framerate-Einbrüche bei hoher Gegnerdichte und vereinzelte Programmierfehler, die den Neustart von Kontrollpunkten erzwingen, trüben das Gesamtbild. Auch die erzählerische Ebene bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück, da die eigentlich faszinierende Prämisse rund um die napoleonische Seuche zugunsten des reinen Gameplay-Fokus verblasst. Somit hinterlässt das internationale Presseecho das Bild eines ungeschliffenen Diamanten, der mechanische Brillanz hinter einer spürbaren Schicht aus Frust und technologischen Macken verbirgt.

Fazit: Ein mutiges Experiment mit Ecken und Kanten

Valor Mortis ist schlussendlich eines der mutigsten und gleichzeitig streitbarsten Action-Spiele der jüngeren Vergangenheit. Das polnische Studio One More Level hat bewiesen, dass es bereit ist, etablierte Genre-Konventionen aufzubrechen und ein hohes Risiko einzugehen. Die kompromisslose Übertragung von harten Soulslike-Mechaniken in die Ego-Perspektive funktioniert in ihren besten Momenten hervorragend und bietet eine Intensität, die man in klassischen Third-Person-Spielen vergeblich sucht. Wenn das Timing beim Parieren stimmt und die Mischung aus Klingenarbeit und Schwarzpulver ineinandergreift, entfaltet das Spiel eine ganz eigene Faszination.

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Dem gegenüber steht jedoch eine Reihe von Design-Entscheidungen, die das Gesamterlebnis spürbar nach unten ziehen. Der zähe und frustrierende Einstieg, das unausgewogene Balancing in den ersten Spielstunden und der unvermeidbare Verlust der Übersicht bei größeren Gegnergruppen zeigen, dass das Konzept der Ego-Ansicht in diesem Genre an natürliche Grenzen stößt. Gepaart mit den technischen Unsauberkeiten und den oft unpräzisen Parkour-Passagen verpasst der Titel den Sprung in den absoluten Spiele-Olymp.

Für die Redaktion steht fest: Valor Mortis ist kein Spiel für die breite Masse. Wer eine perfekt ausbalancierte Gameplay-Erfahrung oder eine tiefgründige Story erwartet, wird enttäuscht werden. Ein gewichtiges Argument auf der Habenseite ist jedoch die Preisgestaltung. Mit einem budgetfreundlichen Verkaufspreis von rund 40,00 Euro setzt das Spiel deutlich niedriger an als die übliche AAA-Konkurrenz, was über so manche technische Kante hinwegtröstet.

Zudem wird das finanzielle Risiko für Unentschlossene komplett minimiert: Durch die direkte Integration im Xbox Game Pass ab dem ersten Tag können Abonnenten auf Konsole und PC ohne zusätzliche Kosten einen Blick riskieren. Für frustresistente Genre-Veteranen, die nach Sekiro oder Ghostrunner eine völlig neue mechanische Herausforderung suchen, ist dieser ungeschliffene Diamant trotz aller Macken eine Empfehlung wert.